Ein Tag in Minneapolis

Sonntag, 9. September 2007 um 6:58 pm | Veröffentlicht in Travelling | 1 Kommentar
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Letzten Samstag ging es in Richtung Twin Cities. Selbige sind ca. 1,5h von Rochester entfernt. Für amerikanische Verhältnisse ist das ein Katzensprung.

Zuvor war jedoch Freitag Abend und ich hatte wieder einmal die Gelegenheit die großartige Barszene Rochesters zu erkunden…. Naja wie bereits in einem vorangegangenen Beitrag angedeutet: alles nicht so mein Fall. Ich möchte mich jetzt nicht darüber auslassen, warum, wieso, wie schlecht und wie langweilig, sondern habe beschlossen das jetzt einfach so hinzunehmen. Das ist halt so. Ich glaube da hat selbst Neubrandenburg ein 10mal faszinierendes “Nachtleben” oder zumindest fiel uns was kreativeres ein als uns jedes Wochenende zu Hause zu betrinken um dann in holzgetäfelten, mit vielen TV-Schirmen dekorierten “Bars” weiterzutrinken.
An diesem Abend habe ich übrigens auch aufgegeben nach dem Grund zu suchen, warum es hier einfach überhaupt keine hübschen Frauen gibt. Nehm ich jetzt auch einfach so hin.
Nicht, dass wir uns falsch verstehen, ich wohne hier nicht auf einem Sojabohnenfeld in Iowa. Rochester ist mit knapp 100.000 Einw. immerhin die drittgrößte Stadt Minnesotas. Hinzukommt, dass es hier ziemlich viele Universitäten gibt, die auch noch ziemlich viele Studienangebote zum Thema Medizin haben. Das schließt hier Krankenschwestern mit ein (Ich weiß in Deutschland geht man nicht an eine Uni um Krankenschwester zu werden. Hier ist das halt etwas anders, bzw. “Universität” scheint kein geschützter Begriff zu sein). Also um auf den Punkt zukommen: 100.000 Einwohner, viele Studenten und noch mehr Krankenschwestern. Klingt für mich nach Party. Isses aber offensichtlich nicht.

Wie auch immer. Samstag Vormittag sind wir dann losgefahren. Dustin, mein Mitbewohner, ließ sich überreden mich zu begleiten. Das hat mich ein wenig überrascht, bevorzugt er doch sonst das Wochenende zu Hause vor PC oder Fernseher zu verbringen. Sein Kumpel Mark hat das einmal so ausgedrückt: Es ist nicht so, dass Dustin nicht gerne Dinge unternimmt, vielmehr gibt er einfach nur nicht gerne Geld aus.
Nunja, dass ich kein Geld für die Benzinkosten von ihm haben wollte, könnte dann ein nicht unerheblicher Anreiz für ihn gewesen sein, mich zu begleiten.

Die Twin Cities bestehen übrigens aus dem größeren Minneapolis (ca. 380.000 Ew.) und dem etwas kleineren St.Paul (ca. 275.000 Ew.). Beide Städte liegen sich geographisch gesehen durch den Mississippi getrennt, gegenüber, daher wohl auch der Name Twin Cities. Obwohl die beiden Innenstädte ca. 10km voneinander entfernt sind, ist es schwer zu erkennen wo Minneapolis aufhört und wo St.Paul anfängt, da die verschiedenen Stadtteile ineinander übergehen und durch unzählige (seit Anfang August eine weniger) Mississippi Brücken verbunden sind.
Mein “Indiependent” Reiseführer erklärt übrigens, dass Minn. die wesentlich jüngere, hippere Stadt mit einer ausgesprochen lebendigen Kunstszene ist, und auch als der “Little Apple”, also New York Nr.2 bezeichnet wird. Wohingegen St.Paul angeblich die ruhigere, gediegenere Stadt ist, mit imposanten Stadtvillen und dem State Capitol, dem amerikanischen Äquivalent zu einem bundesdeutschen Landtag. Demzufolge ist St.Paul die Hauptstadt von Minnesota.
Die Bezeichnung “Little Apple” ließ mich auf eine pulsierende, interessante, ein bisschen alternative Stadt hoffen, demzufolge war Minneapolis das erste Ziel. Genau genommen der Minneapolis Sculpture Garden. Von meinem geschätzten Reiseführer als die Sammlung von Kunst im Freien überhaupt angkündigt, waren Dustin und ich etwas irritiert, den Park nicht zu finden. Wir sind mindestens drei Mal daran vorbei gefahren. Beim vierten Mal realisierte ich dann, dass der Park wesentlich kleiner sein musste als ursprünglich vermutet, genauso wie die Stadt wesentlich kleiner sein musste als vermutet. Wie so ein Kartenmaßstab doch verwirren kann. Im Buch ist die Karte von Chicago auch auf zwei Seiten abgebildet, jedoch sind drei Zentimeter 1,5 km, wogegen auf der Minneapolis Karte drei Zentimeter 0,6km sind. Nunja, wieder was dazu gelernt.
Der Sculpture Garden war ganz nett, aber nicht atemberaubend. An den Garten angeschlossen ist das Walker Art Center. Das sehr stilvoll eingerichtete Foyer versprühte einen Hauch modernen mitteleuropäischen Designs und ließ auf mehr hoffen. Dustin zeigte sich leider nicht so begeistert. Erst waren die $6 Eintritt zuviel, dann hieß es (Zitat) in so eine Ausstellung gehen nur Schwule rein (Zitatende) und er für kein Geld der Welt da rein gehen würde, es sei denn er hätte ein Date und versuchte die Frau zu beeindrucken. Nunja, als ich ihn daraufhin als stereotypen ignoranten unkultivierten Amerikaner bezeichnet habe, fragte er mich doch glatt warum. Alleine wollte ich jedoch auch nicht reingehen, ist ja doch etwas unentspannt, wenn man weiß, dass jemand auf einen wartet.

Nächster Stop: Downtown Minneapolis. Ich hielt es übrigens anfangs für eine gute Idee Dustin das Auto fahren zu lassen. Er hat sich so gefreut, den neuen Mietwagen (Ford Focus, sogar mit Zentralverriegelung = purer Luxus) auch mal ausprobieren zu dürfen und außerdem meinte er, er komme mit dem Karten lesen auch nicht so klar. Nunja, es stellte sich heraus, dass er mit dem Fahren ach nicht so gut klar kam und wohl noch nicht so oft in “großen” Städten Auto gefahren ist. So meinte er z.B. er fahre auf dem (5-spurigen) Highway in der Stadt immer gerne auf der rechten Spur um die Abfahrt nicht zu verpassen. Ich versuchte ihm noch zu erläutern, dass es bis zu unser Abfahrt noch 5 Meilen sind, und er vielleicht eine mittlere Spur nehmen sollte, da wurde unsere Spur auch schon zu einer Abfahrt und wir waren (natürlich ungeplant) runter vom Highway. Wir fanden uns damm plötzlich in der “Westbank” wieder. Ein Gebiet mit Studentencafes, kleinen Restaurants und einer lebendigen Somalischen Community, sagt der Reiseführer. Dustin sagte: “Blocki, black people everywhere. This is a dangerous neighbourhood. Lock the doors!”, und meinte das durchaus ernst.
Irgendwann in Downtown angekommen, war ich überrascht wie günstig man angeblich parken konnte. $8 für 3h im Parkhaus klangen für mich, der ich die Preise in New York gesehen hatte und in Chicago sogar bezahlt hatte ($22 für 2h), wie ein Schnäppchen. Es gab jedoch sogar noch freie Parkplätze neben diesen lustigen Parkuhren. Überglücklich das vermeintliche Parkplatzproblem so elegant gelöst zu haben steckte ich fleißig Quarter (25c.) in die Parkuhr. Nachdem ich bereits zwölf Quarter (=1,5h Parkzeit) in die Uhr gefüllt hatte, wies mich Dustin freundlicherweise darauf hin, dass man da am Wochenende kostenlos parkt. Das mit dem nur werktags bezahlen hatte ich auch gesehen, mich auf Grund von Übersetzungsunklarheiten (ich würde auch das komplizierteste Wort meiner Muttersprache benutzen das ich kenne, um auf einer Parkuhr zu erklären, wann es etwas kostet und wann nicht!) dann doch für die vermeintlich sichere Variante entschieden. Ich war jedenfalls so überrascht, über die Möglichkeit des kostenlosen Parkens, dass mir die $3 auch nicht mehr leid taten.

Schon bald jedoch sollten wir eine mögliche Ursache für die kostenfreien Autoabstellungsmöglichkeiten finden:
Die Stadt war nämlich so gut wie leer. Einfach keine Menschen auf der Straße. Am Samstag Nachmittag in der Innenstadt. Von ein paar wenigen Passanten, sowie Passagieren in der für die USA ziemlich außergewöhnlichen, und als sehr fortschrittlich gelobten Tram abgesehen, war die Stadt beinahe leer. Fast etwas gespentisch. Eine mögliche Erklärung die ich dafür habe, ist, dass die ganzen Wolkenkratzer im Stadtzentrum fast ausschließlich Büros enthalten. Die umliegenden Gegenden nicht gerade Luxuswohncharakter aufweisen und deshalb die Mehrheit der “durchschnittlichen Mittelschicht” das Wochenende in ihren gepflegten Vororten verbringt, und keinen Grund sieht Downtown außerhalb der Arbeitszeit zu besuchen. Im Suburb ist doch schließlich alles was man braucht: Supermärkte, Shopping Malls, Ärzte… Überhaupt, kann sich ja das komplette öffentliche Leben im Einkaufszentrum abspielen. Ist doch schließlich alles da: Riesige! Auswahl an Fastfood, Kleidung, Elektronik, Spielplatz für die Kleinen. Die Mall ersetzt das Stadtzentrum, der Traum eines jeden Centermanagers……Na schönen Dank auch. Was ist das für eine Großstadt die am Wochenende wie ausgestorben wirkt?
Vielleicht war es jedoch auch nur an diesem bestimmten Wochenende so und ist sonst anders. Da möchte ich kein abschließendes Urteil fällen.
Die Wolkenkratzer in Minneapolis sind ganz hübsch anzuschauen. Besonders auffällig sind die sogenannten “Skywalks”, überdachte (und damit wettergeschützte) Verbindungen zwischen vielen Häusern in der Innenstadt. Das Skywalknetz, auf das man hier übrigens auch sehr stolz ist, deckt fast die komplette Innenstadt ab, so dass man zu fast allen Gebäuden kommen könnte ohne an die frische Luft zu müssen. Die Idee dahinter ist, das extreme Klima hier erträglicher zu machen. Im Sommer hats um die 35°C und ordentlich hohe Luftfeuchte, noch erträglich wie ich finde. Im Winter würden mir diese Skywalks schon eher zu sagen. Minus 25°C und eisige Winde sind da keine Seltenheit, und auch wenn ich zu dieser Jahreszeit die Gegend hier längst verlassen haben werde, könnte ich mir vorstellen bei solchen Wetterbedingungen den amerikanischen Ingenieuren und Architekten für ihr Bemühen ihren Mitbürgern maximale Bequemlichkeit zu ermöglichen, dankbar zu sein.
Jedenfalls waren das eigentliche interessante an dieser Stadtbesichtigung nicht die Wolkenkratzer, sondern Dustins Reaktion auf die selbigen. “Guck mal Blocki, ist das nicht unglaublich? Guck mal wie hoch der ist. Ich wette du kannst nicht die Stockwerke zählen” und ” Das ist da ist mein Lieblingswolkenkratzer. Du musst zugeben dass er der beste von allen ist” ließen mich doch ein bisschen Schmunzeln, hatte ich doch die beiden Wochen zuvor New York und Chicago bereist. Das war übrigens der Moment wo ich das erste Mal stark daran zweifelte, dass mein derzeitiger Mitbewohner schon viel von der Welt, ja zumindest viel von seiner Welt (den USA) gesehen hat. Ich meine wenn ich in einem Land das die Wolkenkratzer erfunden hat lebe und mich dann von den Gebäuden einer 380.000EW Stadt so begeistern lasse, dann kann ich wirklich noch nicht viel gereist sein…

Etwa eine halbe Stunde später, nach einigen Umwegen und ein paar interessanten Manövern, auf die ich hier nicht weiter eingehen möchte (Zitat Dustin: “Ja ich weiß ich schenke dem Verkehr oftmals nicht genug Aufmerksamkeit” , nachdem wir wieder eine Ausfahrt verpasst haben, weil er am Radio rumspielte), kamen wir in Uptown an. Mein geschätzter Reiseführer erklärt dazu: “Uptown …. is a punk-yuppie collision of shops and restaurants south of downtown. It stays lively until late.” … Klang für mich ein bisschen nach Friedrichshain oder zumindest Schanzenviertel.
Naja Pustekuchen. Ganze 2 Restaurants gesehen, die tatsächlich mal zu keiner Restaurantkette gehörten. Ansonsten hat sich die Gegend kaum von den anderen hier unterschieden. Insgesamt 3 Menschen habe ich gesehen, die nicht Mainstream gekleidet waren.
Ich erwog die Möglichkeit, dass wir im falschen Viertel waren. Die Karte bewies mir jedoch das Gegenteil. So kam ich zu folgender Ansicht: amerikanische Yuppie-Punk Viertel mit coolen Restaurants können mit deutschen nicht mithalten ;-)

Nachdem wir beide (Dustin waren die 3 Yuppie-Punks die wir gesehen haben, zu hip und damit schwul) von Minneapolis nicht so überzeugt waren, fuhren wir nach St. Paul. Dabei musste der Mississippi überquert werden. Eine ziemlich gefährliche Angelegenheit in dieser Stadt und da wir das den Tag wohl insgesamt sieben Mal taten, war das ganz bestimmt der bisher der gefährlichste Trip meines Lebens ;-)

St. Paul hat eine ganz hübsche Kathedrale. Ziemlich groß und etwas renaissance mäßig. An sich sehr schick. Doch da erst 1915 gebaut, noch ziemlich neuwertig. Die Fassade fasst sich wie Beton an. Historisch sieht anders aus.

St.Paul hatte dann außer ein paar verpassten Highwayabfahrten nicht mehr viel zu bieten (der berühmte St. Paul Curling Club hatte leider auch gerade Sommerpause) und so machten wir uns auf Freunde von Dustin zu besuchen um gemeinsam zu Abend zu essen.
Mein erster richtiger Restaurantbesuch in den USA. Das Lokal war recht stilvoll und die Karte interessant: Viele verschiedene Sorten Pasta und selbstgebrautes Bier. Dass natürlich auch in einem schicken Restaurant die TV-Schirme an der Wand und die Burger auf der Karte in diesem Land nicht fehlen, bedarf wohl keiner besonderen Erwähnung. Außerdem war das Lokal, wie leider so vieles hier eine Kette. Wenigstens stellt man so sicher, dass es am anderen Ende des Kontinents genauso aussieht.
Das Essen war übrigens trotzdem sehr gut, auch wenn ich von der hier wohl gängigen Praxis sich die Reste für zu Hause einpacken zu lassen, etwas überrascht war.

Die Heimfahrt war übrigens sehr lustig. Nicht wegen Dustins Fahrweise (ich bin gefahren als es anfing dunkel zu werden), sondern einer eineinhalbstündigen Diskussionen, die ich glaube mit Frankreich begann….. (mehr dazu im nächsten Eintrag)

1 Kommentar »

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  1. Na dann kann es ja los gehen, wir fliegen am 27.09.07 rüber und ich bin ja mal gespannt was so abgeht in minneapolis……cooler blog übrigens.


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